Studio Isabella
Filmkunst in der Maxvorstadt seit 1919
Das Studio Isabella an der Ecke Neureutherstraße/Isabellastraße gehört zu den ältesten noch betriebenen Kinos Münchens. Seit dem 12. Juli 1919 werden hier Filme gezeigt. Das kleine, weitgehend in seiner historischen Gestalt erhaltene Stadtteilkino entwickelte sich unter Fritz Falter zum wichtigen Ort des Münchner Autoren- und Filmkunstkinos.
| Offizieller Name | Studio Isabella |
|---|---|
| Frühere Namen | Isabella-Lichtspiele; Studio im Isabella (historisch) |
| Adresse | Neureutherstraße 29, 80799 München |
| Stadtbezirk | Maxvorstadt (an der Grenze zu Schwabing) |
| Status | Geöffnet |
| Eröffnung | 12. Juli 1919 |
| Säle / Plätze | 1 Saal / 165 Plätze |
| Historische Plätze | 200 zur Eröffnung 1919 |
| Betreiber / Verantwortung | Langjähriger Kinoleiter Louis Anschütz; aktuell dessen Ehefrau Hermine Bek (Stand Oktober 2026) |
| Telefon | 089 / 271 88 44 |
| ÖPNV | U2 Josephsplatz oder Tram 27 Nordendstraße, jeweils etwa 500 Meter |
| Website | studio-isabella.com |
| Lage | OpenStreetMap |
Geschichte
1919 bis 1947: Isabella-Lichtspiele
Die Isabella-Lichtspiele eröffneten am 12. Juli 1919 mit den Filmen Der Liebe Macht, des Rechtes Sieg und Papa Krause. Das Haus hatte zunächst etwa 200 Sitzplätze. Die erste Betreiberin Maria Zach führte damals mehrere Münchner Kinos. Eine 1932 genehmigte Stofftafel über dem Eingang und ein Foto von 1937 dokumentieren die frühe Fassadengestaltung. Bei einem Luftangriff 1944 wurde das Kino beschädigt; 1947 nahm es den Betrieb wieder auf. [1–3]
1954 bis 1980: Filmkunst und Fritz Falter
1954 erhielt das Kino eine CinemaScope-Breitwand. 1961 übernahm der Filmkunstpionier Fritz Falter, der auch das Occam-Studio und die Münchner Filmkunstwochen geprägt hatte. Das Isabella wurde zu einem Treffpunkt für cineastisch interessierte Studierende, mit internationalen Filmen, Originalfassungen und Untertiteln. Nach dem Ende des Occam-Studios 1970 konzentrierte sich Falter auf dieses Haus und führte die Bezeichnung „Studio im Isabella“ ein. [1–4]
Ein legendärer Erfolg war Harold und Maude: Der Film lief im Isabella außergewöhnlich lange, nach Darstellung des Kinos beinahe zwei Jahre. Zum hundertjährigen Jubiläum erinnerte man sich daran, dass noch in der 49. Spielwoche Vorstellungen ausverkauft waren. [1, 5]
Seit 1980: Studio Isabella
1980 verkaufte Falter das Kino an eine Gruppe von Filmverleihern und Filminteressierten, darunter Achim Flebbe, Christian Friedel und weitere Beteiligte. Louis Anschütz prägte über Jahrzehnte die Programmgestaltung und den Betrieb. Die historische Betreibergesellschaft trug den bemerkenswerten Namen Gut Licht, gut Ton und volle Kassen Kinobetriebs GmbH. 2011 würdigte die Stadt München ausdrücklich Anschütz' Engagement für die Filmgeschichte. Das aktuelle Impressum der Kinowebsite nennt dagegen dessen Ehefrau Hermine Bek als Vertreterin. [1, 6, 7]
2019 feierte das Kino seinen 100. Geburtstag. Damals wurde zugleich über seine wirtschaftlich schwierige Situation berichtet. 2024 erhielt das Studio Isabella den Schwabinger Kunstpreis für seine Bedeutung in der Kinokultur. [8–10]
Kinosaal und Technik
| Saal | Ein Saal, klassisches Filmkunsttheater |
|---|---|
| Plätze | 165 (mehrere aktuelle Kinoführer und Programmverzeichnisse) |
| Leinwand | Historische Verzeichnisangabe: 5,60 × 2,50 m = 14,0 m²; andere Datenbanken nennen rund 16 m². |
| Filmprojektion | Historisch 16- und 35-mm-Film sowie CinemaScope seit 1954; außerdem digitale Projektion. |
| Ton | Dolby als ältere Verzeichnisangabe; aktuelle Ausstattung unbekannt. |
| Bestuhlung | Gepolsterte Kinett-Sessel, Modell „Bravo“, die die frühere einfache Bestuhlung ablösten. |
Der Saal gilt als bemerkenswert wenig verändert. Artechock beschrieb 2019 unter anderem eine blaue Leuchtstoffröhre um die Leinwand, die charakteristische ältere Lichtgestaltung und die über Jahrzehnte erneuerte, aber nicht grundsätzlich umgebaute Bestuhlung. Bei Leinwandmaßen und Technik liegen keine aktuellen Angaben vor. [4, 11]
Programm und Besonderheiten
Das Studio Isabella ist vor allem für Arthouse- und Autorenfilme, Originalfassungen mit Untertiteln und cineastische Wiederentdeckungen bekannt. Eine Besonderheit ist die langjährige Reihe Cine Español mit spanischsprachigen Filmen, häufig mittwochs. Auch Dokumentarfilme, Matineen, Kinderkino, Kunstfilmveranstaltungen und Kooperationen mit den Filmkunstwochen gehören zum Profil. [4, 12]
Die Nähe zum studentisch geprägten Universitätsviertel ist ein wesentlicher Teil seiner Geschichte. Trotz seiner Lage in der Maxvorstadt wird das Kino in vielen Berichten der Schwabinger Kinokultur zugerechnet. Die offizielle Website bezeichnet es selbst als „Filmkunst in Schwabing seit 1919“. [1, 2]
Barrierefreiheit
Eine Stufe am Zugang, zwei bis drei mögliche Rollstuhlplätze und eine enge, über eine Stufe erreichbare Toilette.[13]
Persönliches
In dieses Kino verschlägt es mich - vor allem wegen seiner Lage und der eher kleinen Leinwand - eher selten. Doch wenn, dann wegen spanischer oder lateinamerikanischer Filme, die sonst nicht oder kaum wo laufen.
Die schon erwähnte schwierige finanzielle Lage sieht man dem Kino stellenweise an. Die Süddeutsche Zeitung schrieb mal davon, es sei aus Geldnot seit Ewigkeiten nichts mehr investiert worden.
Während zu Corona-Zeiten etwa die City Kinos und das Arena Filmtheater - auch mit Fördergeldern - für neue Bestuhlung und renovierte Säle sorgten, konnte man hier den Eindruck gewinnen, man habe zu Beginn des Lockdowns einfach nur zu-, und nach dessen Ende wieder aufgesperrt.
Wie im Neuen Rottmann erfolgt der Zugang zur Toilette direkt vom Kinosaal aus, was die übrigen Besicher*innen schon stören kann.
Quellen
- Studio Isabella: 105 Jahre Studio Isabella – ausführliche Kinogeschichte
- Süddeutsche Zeitung: Jubiläum 2019
- Abendzeitung: Originalerlebnis – 100 Jahre Studio Isabella
- Artechock: 100 Jahre Studio Isabella (2019)
- Filmkunstwochen München: Programmheft 2019, Jubiläum
- Landeshauptstadt München: Rathaus Umschau 2011, Kinoprogrammpreis
- Studio Isabella: aktuelles Impressum
- tz: Wirtschaftliche Situation im Jubiläumsjahr 2019
- München Wiki: Studio Isabella, Schwabinger Kunstpreis 2024 und historische Technikdaten
- Landeshauptstadt München: Kinoprogrammpreise 2018
- Cinema Treasures: Studio Isabella, historische Angaben
- Studio Isabella: aktuelles Programm und Cine Español
- CBF München: historische Angaben zur Zugänglichkeit
Weitere Links
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Stand: Oktober 2026.