Theatiner Filmkunst
seit 1956 · geöffnet
Die Theatiner Filmkunst ist ein denkmalgeschütztes Ein-Saal-Programmkino in der Theatinerpassage zwischen Theatinerstraße und Residenzstraße. Das Haus bewahrt seine außergewöhnlich gut erhaltene Einrichtung aus den 1950er-Jahren und ist seit 1957 eng mit dem europäischen Autorenkino, Originalfassungen und der Arbeit des Filmverleihs Neue Filmkunst verbunden.[1][2]
| Status | geöffnet |
|---|---|
| Typ | Filmkunsttheater / Originalsprachenkino |
| Adresse | Theatinerstraße 32, 80333 München (Theatinerpassage) |
| Stadtbezirk | Altstadt-Lehel |
| Anfahrt | U3/U4/U5/U6 Odeonsplatz; zu Fuß durch die Theatinerpassage |
| Karte | OpenStreetMap |
| Eröffnung | 1. September 1956 als Film-Cabinett; Übernahme als Theatiner Filmkunst im August 1957 (Betreiber: 13. August) |
| Architektur | Kinogestaltung: Hanns Atzenbeck; Theatinerpassage: Jean Erhard (1954/55) |
| Säle | 1 |
| Plätze | 164 (überlieferte, auch heute verbreitete Angabe) |
| Betreiber seit 2024 | Claire Schleeger und Bastian Hauser (BC Filmtheater Betriebs-GmbH) |
| Telefon | 089 223183 |
| Website | theatiner-film.de |
Geschichte
1956 – Film-Cabinett: Der Kinosaal entstand im 1954/55 errichteten Passagengebäude. Der Architekt Hanns Atzenbeck gestaltete das Kino mit hellen Holzvertäfelungen und rosa bezogenen Sitzen. Am 1. September 1956 eröffnete es unter dem Namen Film-Cabinett. Der erste Eigentümer Hans Luttner, ein Landwirt aus Freising, zeigte überwiegend farbige Hollywoodproduktionen, Western und Musicals. Der erste Film war Die Männer um Hilda Crane. Der Betrieb blieb wirtschaftlich erfolglos.[2][3]
1957 – Theatiner Filmkunst: Walter Kirchner übernahm das Kino für seinen Verleih Neue Filmkunst. Die Betreiberwebsite nennt den 13. August 1957 als Eröffnung der Theatiner Filmkunst; eine historische Darstellung datiert die Übernahme auf den 10. August 1957. Die beiden Daten betreffen die Übernahme beziehungsweise den neuen Kinobetrieb und sind nicht mit der ursprünglichen Eröffnung von 1956 zu verwechseln. Zum Neustart lief Räuber und Gendarm.[1][2]
Walter Kirchner (1923–2009) hatte 1953 die Neue Filmkunst gegründet. Sein Verleih brachte Werke der französischen Nouvelle Vague, des italienischen Neorealismus und anderer Strömungen des europäischen Autorenfilms in die Bundesrepublik. Zum Programm gehörten unter anderem Filme von Jean-Luc Godard, Agnès Varda, Federico Fellini, Michelangelo Antonioni, Ingmar Bergman und Luis Buñuel, aber auch Klassiker von Buster Keaton, Sergej Eisenstein und Ernst Lubitsch. Die Filme wurden durch eigens gestaltete Plakate und Programmhefte begleitet.[1]
Die Ära Marlies Kirchner: Marlies Kirchner übernahm 1958 die Theaterleitung und führte das Haus nach der Insolvenz des Verleihs 1974 ab 1975/76 eigenverantwortlich weiter. Über Jahrzehnte prägte sie das Theatiner als Kino für anspruchsvolle internationale Filme in Originalfassung mit Untertiteln. Die Betreiberwebsite nennt 1976–2023 als Zeitraum ihrer selbstständigen Leitung. Das Theatiner wurde zu einer festen Adresse der Münchner Filmkunstszene.[1][4]
Digitalisierung und Erhalt: Die Umstellung auf digitale Projektion erfolgte erst 2012, als analoge Filmkopien zunehmend nicht mehr verfügbar waren. Ein 35-mm-Projektor blieb erhalten und wird für ausgewählte Vorführungen weiterhin genutzt, etwa im Rahmen der Filmkunstwochen 2024. Die originalen Einbauten und die Atmosphäre des Saals blieben weitgehend unverändert; das Kino steht unter Denkmalschutz.[2][5]
Betreiberwechsel 2024: Seit dem 1. Januar 2024 führen die langjährigen Mitarbeiter Claire Schleeger und Bastian Hauser das Kino. Ihre Gesellschaft heißt BC Filmtheater Betriebs-GmbH; „BC“ steht für bon cinéma. Beide waren bereits zuvor an Programmgestaltung und Kinobetrieb beteiligt. Sie setzen den Schwerpunkt auf Filmkunst in Originalfassung fort und pflegen zugleich Kooperationen mit Münchner Kulturinstitutionen und Festivals.[6][2]
Saal & Technik
| Säle | 1, im Untergeschoss der Passage |
|---|---|
| Sitzplätze | 164 (historisch dokumentierte Zahl; aktuelle Bestuhlungsänderungen nicht gesondert bestätigt) |
| Kinosaal | ca. 105 m² Grundfläche laut Kultur barrierefrei München |
| Projektion | digital seit 2012; 35-mm-Projektor für besondere Vorstellungen erhalten |
| Leinwand | 18 m² (undatierte Angabe von artechock) |
| Tonsystem | unbekannt |
| Inneneinrichtung | weitgehend originaler Zustand der 1950er-Jahre; denkmalgeschützt |
Die Inneneinrichtung mit hellen Ahornholzflächen und rosafarbenen Sitzbezügen ist ein seltenes erhaltenes Zeugnis des Münchner Kinobaus der Nachkriegszeit. Im Saal gibt es rechts eine Art Balkon mit Logenplätzen. Die historische Platzzahl von 164 ist gut dokumentiert; aktuelle Angaben über die Größe der Leinwand (18 m² laut einer wohl älteren Angabe von artechock) oder die Auflösung des digitalen Projektors sind nicht zu finden.[2][3][7]
Programm und Besonderheiten
Das Theatiner zeigt vor allem internationale Filmkunst in Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Ein Schwerpunkt liegt auf europäischem Autorenfilm, insbesondere französischen, italienischen und spanischen Produktionen; auch Filme aus Lateinamerika und Asien sind vertreten. Neben Erstaufführungen gibt es Klassiker, Retrospektiven, Gespräche und Kooperationen etwa mit der LMU, der Bayerischen Staatsoper und Münchner Museen. Seit 2025 zählt das Theatiner zu den Spielstätten des Filmfests München.[1][2]
Das Kino wurde vielfach ausgezeichnet. 2018 erhielt es den Europa Cinemas Award for Best Programming. Marlies Kirchner wurde unter anderem mit dem Filmpreis der Stadt München (1998), der Berlinale Kamera (2016) und dem französischen Orden Ordre des Arts et des Lettres (2022) geehrt.[2]
Barrierefreiheit
Das Kino liegt im Untergeschoss und ist nur über eine Treppe mit mehr als zehn Stufen erreichbar; eine rollstuhlgerechte Toilette ist nicht vorhanden. Im Saal gibt es zudem eine Stufe zu den erhöhten Logenplätzen.[7]
Persönliches
Sympathisches altes Kino mit Charme.
Wünschenswert wäre für mich ein Onlineverkauf von Tickets, da ich gerne am Rand sitze und es keine freie Platzwahl gibt. Und eine größere Leinwand. Dies ist jedoch laut Personal aus Platzgründen nicht möglich.
Quellen
- Theatiner Filmkunst: Das Theatiner – offizielle Kinogeschichte
- Theatiner Filmkunst: ausführliche Geschichte und historische Daten
- Arthaus: Interview mit Marlies Kirchner zur Kinogeschichte
- Theatiner Filmkunst: Betreiberangaben und Programm
- Filmkunstwochen München 2024: Programmheft mit Hinweis auf 35-mm-Projektion (PDF)
- artechock, 11. Januar 2024: Stabübergabe – die neuen Betreiber
- Kultur barrierefrei München: Theatiner Filmtheater
Weblinks
- Offizielle Website mit Programm und Kartenreservierung
- Michael Althen: Das Theatiner-Kino wird vierzig Jahre alt (1997)
Zuletzt bearbeitet: Oktober 2026