Royal Filmpalast

Kinogeschichte und Nachkriegsarchitektur am Goetheplatz

Der Royal Filmpalast ist ein großer Kinobau am Goetheplatz. Der von Sep Ruf entworfene Neubau wurde 1957 eröffnet und beherbergte von Anfang an zwei eigenständige Filmtheater. Heute verteilen sich fünf Säle auf das Gebäude. Das Royal ist bis heute ein familiengeführtes Kino.[1][2]

StatusGeöffnet
AdresseGoetheplatz 2, 80337 München
StadtbezirkLudwigsvorstadt-Isarvorstadt
VerkehrsanbindungU3/U6 Goetheplatz, Buslinien 58/68
KarteOpenStreetMap
Eröffnung1957; das kleinere Royal-Theater eröffnete am 19. Juni 1957
ArchitektSep Ruf
Historische SäleRoyal-Palast (826 Plätze), Royal-Theater (505 Plätze)
Heutige Säle5 (A–E)
Sitzplätze1.174/1.173/1.183, je nach Quelle[4][5]
BetreiberUnion Filmtheater GmbH – Royal Filmpalast; Geschäftsführer Robert Englberth
Websiteroyal-muenchen.de

Geschichte

Der Kinounternehmer Rudolf Englberth senior ließ den Royal-Palast als ambitionierten Neubau errichten. Architekt Sep Ruf entwarf einen freistehenden Bau der Nachkriegsmoderne, dessen geschlossener Kinokörper scheinbar über einem verglasten Erdgeschoss schwebt. Weiße Stahlrohre gliederten die Außenfassade; im Inneren führte ein etwa 600 m² großes Foyer über freitragende Treppen zu den beiden Kinos. Der obere Saal hatte ursprünglich 826 Plätze, der untere 505 Plätze. Ein Teil der Quellen nennt für den oberen Saal leicht abweichend 834 Plätze.[1][3]

Der große Royal-Palast wurde als eines der ersten deutschen Filmtheater für das aufwendige Todd-AO-Verfahren konzipiert: 70-mm-Film, großflächige gekrümmte Bildwand und sechskanaliger Magnetton. Zur Eröffnung lief Fred Zinnemanns Musical Oklahoma! als deutsche Erstaufführung in Todd-AO, ergänzt um den Demonstrationsfilm Das Wunder von Todd-AO. Das kleinere Royal-Theater nahm am 19. Juni 1957 mit Tolle Nacht den Betrieb auf.[3]

Die große Bildwand des ursprünglichen Royal-Palasts maß 16,40 × 8,30 Meter (als Sehne gemessen). Zwei Philips-DP70-Projektoren ermöglichten die 70-mm-Vorführung; außerdem war ein 35-mm-Projektor vorhanden. Der Ton wurde über fünf Lautsprechergruppen hinter der Leinwand und zusätzliche Effektlautsprecher im Saal wiedergegeben. Das waren ausdrücklich historische Ausstattungsdaten und nicht die Maße der heutigen Säle.[3]

Spätere Umbauten teilten die ursprünglichen Großsäle in kleinere Kinos auf. Die Stadt München hebt hervor, dass die Längsfassaden 1997 eine gläserne Wetterschutzhülle nach Entwurf von Hein Goldstein erhielten. Das Innere veränderte sich durch die Saalunterteilungen erheblich. Die ursprüngliche Baugestalt bleibt vor allem außen nachvollziehbar.[1]

Das Royal blieb im Besitz beziehungsweise in der Führung der Familie Englberth. Laut aktuellem Impressum betreibt die Union Filmtheater GmbH das Haus; Geschäftsführer ist Robert Englberth.[2]

Die fünf Säle

Die folgende Tabelle verwendet die bei artechock veröffentlichten Saalangaben. Die Flächen wurden aus den dortigen Leinwandmaßen berechnet.[4]

SaalSitzplätzeLeinwand (B × H)Fläche
Kino A43210 × 4.4 m44.0 m²
Kino B2109.9 × 4.3 m42.6 m²
Kino C22010 × 4.4 m44.0 m²
Kino D1107.7 × 3.3 m25.4 m²
Kino E20210.3 × 4.1 m42.2 m²
Gesamt1.174Fünf Säle

Projektion, Ton und Komfort

Das Royal bietet digitale Filmvorführungen und 3D. Die aktuelle Preisliste unterscheidet die Säle A bis E und weist für B und D einen Dolby-Atmos-Zuschlag aus. Für Saal A und D gibt es außerdem eigene Premium-Sitzkategorien. Über Projektormodelle, Auflösungen und exakten Leinwandtypen gibt es keine Angaben.[6]

Ältere Kinoverzeichnisse nennen THX, DTS, SDDS oder Dolby Digital als technische Ausstattung.[7]

Programm und Besonderheiten

Das Royal spielt schwerpunktmäßig aktuelle Mainstreamfilme und Blockbuster, ergänzt durch einzelne Originalfassungen, Vorpremieren und Sonderveranstaltungen. Zu den Angeboten zählt die Reihe „Retro Royal Time“, die ältere Filme erneut auf die große Leinwand bringt.[8]

Eine Besonderheit ist die lange Kinotradition am selben Standort: Von der aufwendigen Todd-AO-Premiere 1957 bis zu den heutigen digitalen Vorführungen lässt sich hier der technische Wandel des Kinos nachvollziehen. Das Gebäude selbst ist ein bemerkenswertes Beispiel der Münchner Nachkriegsmoderne.[1][3]

Barrierefreiheit

Artechock bezeichnet das Royal ausdrücklich als „nicht behindertengerecht“. Genauere Angaben liegen nicht vor.[4][3]

Persönliches

Ein Kino, in dem ich als Kind gerne mit meiner Mutter war, immer gefolgt von einem Besuch beim benachbarten Mc Donald's. Mein allererster richtiger Kinobesuch war vermutlich hier ("Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei"). Erinnern kann ich mich auch an den Besuch von "Gib Gas, ich will Spaß".

Schon als Kind hat mich gestört, und das tut es noch immer, dass man - wie im früheren Mathäser - das Kino durch einen schönen Eingang betritt, aber würdelos über Metalltreppen außen am Gebäude zu verlassen hat.


Quellen

  1. Landeshauptstadt München: Sep-Ruf-Pfad, Royal-Filmpalast (PDF)
  2. Royal Filmpalast: Impressum und Betreiber
  3. in70mm.com: Geschichte und Technik des Royal-Palasts, 1957
  4. Artechock: Royal Filmpalast, Saalangaben
  5. in münchen: Royal Filmpalast
  6. Royal Filmpalast: aktuelle Preisliste und Saalausstattung
  7. Das Kinoprogramm: ältere Technik- und Kapazitätsangaben
  8. Royal Filmpalast: Kinoinformationen und Veranstaltungsangebote

Weblinks

Zuletzt bearbeitet: Oktober 2026