Neues Maxim
seit 14. September 1912 · geöffnet
Das Neue Maxim an der Landshuter Allee 33 in Neuhausen zählt zu den ältesten noch betriebenen Münchner Kinos. Aus einem ehemaligen Kaufhaus wurde 1912 ein Lichtspieltheater; nach einer langen Zeit als „Maxim“ erhielt das Haus 2016 nach einer grundlegenden Sanierung seinen heutigen Namen. Das Kino ist heute ein kleines, auf Filmkunst ausgerichtetes Haus mit zwei sehr unterschiedlichen Sälen.[1][2]
| Status | geöffnet |
|---|---|
| Adresse | Landshuter Allee 33, 80637 München |
| Stadtteil | Neuhausen (Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg) |
| Kinotyp | Programmkino / Stadtteilkino |
| Ersteröffnung | 14. September 1912 als Lichtspieltheater des Westens (auch „Theater des Westens“ genannt) |
| Frühere Namen | Lichtspieltheater des Westens; Hindenburg-Lichtspiele; Volks-Lichtspiele; Maxim Film-Theater / Maxim |
| Neueröffnung | 6. Oktober 2016 als Neues Maxim |
| Säle / Plätze | 2 Säle / 119 Plätze (86 + 33 laut aktueller Vermietungsseite) |
| Betreiber laut Impressum | Arena Filmtheater BetriebsGmbH; Geschäftsführer Markus Eisele und Christian Pfeil |
| Website | neokinos.de/maxim |
| Anfahrt | Bus 53/63, Schlörstraße; U1/U7 Rotkreuzplatz; Tram Donnersbergerstraße; S-Bahn Donnersbergerbrücke |
| Karte | OpenStreetMap |
Geschichte
Vom Kaufhaus zum Lichtspieltheater (1912–1953)
Das Haus wurde 1901 errichtet und beherbergte zunächst das Kaufhaus Schottländer. Am 14. September 1912 eröffnete dort das „Lichtspieltheater des Westens“. Es folgten mehrere Umbenennungen: in Hindenburg-Lichtspiele und, nach 1918, in Volks-Lichtspiele. Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise unbeschädigt; spätestens 1946 liefen wieder Filme.[1][3]
Die Ära Halbig (1953–1977)
1953 übernahm Hans Halbig das Kino, ließ es umbauen und technisch erneuern und gab ihm den Namen Maxim. Der Familienbetrieb bestand bis 1977. Eine technische Kuriosität: Damals installierte gebrauchte Filmprojektoren aus dem Baujahr 1935 blieben noch bis zum Umbau 2016 in Verwendung.[1]
Siegfried Daiber und das Programmkino (1978–2016)
Im August 1978 übernahm Siegfried Daiber das Haus und profilierte es als engagiertes Programmkino abseits des Mainstreams. Das Maxim war Anlaufstelle für politisches Kino, anspruchsvolle Filmreihen und internationale Filmkunst. Hier fand 1985 das erste Dokumentarfilmfestival München statt; auch die Frauenfilmreihe Bimovie war mit dem Kino verbunden. 2012 feierte das Maxim seinen 100. Geburtstag.[1][4]
Die Jahrzehnte hinterließen allerdings deutliche Spuren an Mobiliar und Technik. Als Daiber 2016 aufhörte, war der Fortbestand des Kinos gefährdet. Die Geschichte des alten Maxim und seines Betreibers dokumentiert der Film Maxim Leben – Ein altes Kino erzählt von Peter Heller.[1][5]
Neustart als Neues Maxim (2016)
Nach einer umfassenden Sanierung öffnete das Haus am 6. Oktober 2016 als „Neues Maxim“ wieder. Die Betreiber investierten in neue Sessel, Digitalprojektoren, Tonanlage, Lüftung und Brandschutz. Im Untergeschoss entstand ein zweiter, kleiner Kinosaal. An der Fassade wurden zuvor zugemauerte Bögen geöffnet und durch schalldichte Fenster ersetzt; der große Saal kann für Vorstellungen verdunkelt werden. Im Foyer sind historische Bauelemente, darunter Jugendstilfliesen, erhalten.[2][5]
In Berichten über den Neustart werden insbesondere Anne Harder und weitere engagierte Kinofreunde als prägende Personen genannt. Aus finanzziellen Gründen erfolgte jedoch ein Verkauf an die Arena Filmtheater BetriebsGmbH mit Markus Eisele und Christian Pfeil als Geschäftsführern.[6][7]
Die Säle
| Saal | Plätze | Charakter / Zugang |
|---|---|---|
| Großer Saal (Erdgeschoss) | 86 | Historischer Hauptsaal; nach Sanierung mit neuen Sesseln, Digitalprojektion und schalldichten Fenstern. Über den Eingangsbereich mit mobiler Rampe zugänglich. |
| Kleiner Saal (Untergeschoss) | 33 | Wohnzimmerkino mit besonders intimer Atmosphäre; Zugang ausschließlich über eine schmale Treppe. Vier Sitzsäcke sind in der veröffentlichten Beschreibung der 33 Plätze enthalten. |
| Gesamt | 119 | Platzangaben laut Betreiber; historische Artikel zur Eröffnung 2016 nannten noch 80 und 30 Plätze. |
Der Betreiber nennt auf seiner Vermietungsseite ausdrücklich 86 und 33 Plätze. Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2016 dagegen von 80 beziehungsweise 30 Plätzen.[8][5]
Projektion, Ton und Ausstattung
Beim Umbau 2016 wurden Digitalprojektoren und eine neue Tonanlage eingebaut. Das Kino bietet für Veranstaltungen die Vorführung von DCPs sowie Blu-ray- und anderen Zuspielungen an. Angaben über Leinwandmaße, Projektormodelle und Tonformate je Saal gibt es nicht. Die Leinwandgrößen auf der Seite Leinwandgrößen sind Angaben vom Personal eines anderen Neo Kinos. [5][8]
Programm und Besonderheiten
Das Neue Maxim setzt auf Arthouse-Filme, Dokumentarfilme, Originalfassungen mit Untertiteln, Kinderkino, Filmfestivals und Sondervorstellungen. Das Foyer dient zugleich als kleiner Treffpunkt mit Getränken und Kino-Kiosk. Die Betreiber weisen auf ein kurzes Vorprogramm hin und bitten darum, pünktlich zu erscheinen.[9]
Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Lage unmittelbar an der stark befahrenen Landshuter Allee. Durch die neuen schalldichten Fenster ist der Verkehr zwar sichtbar, aber während des Kinobetriebs kaum hörbar. Das Neue Maxim bewahrt damit einen seltenen Typus des Münchner Kinos: das historische Ladenkino mitten im Wohnviertel.[5]
Barrierefreiheit
Der große Saal ist nach Voranmeldung mit einer mobilen Rampe für Rollstuhlnutzer zugänglich; dort sind zwei Rollstuhlplätze angegeben. Der kleine Saal im Untergeschoss ist wegen der schmalen Treppe nicht mit dem Rollstuhl erreichbar. Eine rollstuhlgerechte Toilette ist nicht vorhanden.[10][9]
Persönliches
Sehr sympathisches Kino, das ich erst seit dem Umbau hin und wieder besuche. Leider mit einem sehr laut knarzenden Holzboden im großen Saal, in dem man zudem vor den anderen Zuschauer*innen vor der Leinwand entlang laufen muss, wenn man etwa während des Films aufs Klo muss.
Das Vorgängerkino unter Sigi Daiber war mir jahrelang nur aus der Presse bekannt, wenn er seine Miete nicht bezahlen konnte und dafür den "bösen" und "raffgierigen" Vermieter beschimpfte. Der selbe Vermieter wurde von Anne Harder und ihren Mitstreiterinnen bei den Umbauten als sehr entgegenkommend (vor allem beim kleinen Saal 2 im Keller) und engagiert bezeichnet.
Bei einer Wahlkampfvorführung lange Jahre vor der Schließung des "alten" Maxim war ich kurz in dem Kino und war schockiert, wie heruntergekommen es war. In den letzten Monaten vor der endgültigen Schließung war es offenbar nur noch tageweise geöffnet und in wirklich schlechtem Zustand, was man ihm auch von außen deutlich ansah.
Quellen
- Neues Maxim – Überblick über Geschichte und Namenswechsel (mit weiterführender Literatur)
- Landeshauptstadt München: KulturGeschichtsPfad Neuhausen-Nymphenburg (PDF)
- Abendzeitung: Das alte Maxim ist wunderbar neu
- Landeshauptstadt München: Rathaus Umschau vom 16.10.2018 (PDF, Kinoprogrammpreis)
- Süddeutsche Zeitung: Das Neue Maxim feiert Wiedereröffnung (05.10.2016)
- Neues Maxim: Impressum und Betreiberangaben
- Stadt München: Würdigung des Neuen Maxim und Anne Harders (2018)
- Neues Maxim: Kino mieten – aktuelle Saalgrößen
- Neues Maxim: offizielle Website, Programm und Besucherinformationen
- Kultur barrierefrei München: Zugang und Ausstattung
Weblinks
Zuletzt bearbeitet: Oktober 2026