Museum Lichtspiele
Seit 1910 · Lilienstraße 2 · Au
Die Museum Lichtspiele zählen zu den traditionsreichsten Filmtheatern Deutschlands. Nach der Schließung des Gabriel Filmtheaters 2019 sind sie das älteste noch betriebene Kino Münchens. Berühmt wurden sie vor allem durch die seit 1977 regelmäßig gezeigte Rocky Horror Picture Show und ihre individuell gestalteten Säle. Das Haus verbindet aktuelle Filme, Originalfassungen und Kultkino mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte.[1][3]
| Status | geöffnet |
|---|---|
| Adresse | Lilienstraße 2, 81669 München |
| Stadtteil | Au (Stadtbezirk Au-Haidhausen) |
| Eröffnung | 24. November 1910 |
| Früherer Name | Gabriels Tonbildtheater (1910–1918); kurzzeitig „Neue Museum-Lichtspiele“ in Anzeigen Ende 1975/Anfang 1976 |
| Gründer | Carl Gabriel |
| Säle | 4 |
| Sitzplätze | 275 (93 + 68 + 61 + 53) |
| Programm | Aktuelle Filme, Filmklassiker, Originalfassungen (insbesondere Englisch), Kultfilme |
| Telefon | 089 / 48 24 03 |
| Internet | museum-lichtspiele.de |
| Karte | OpenStreetMap |
Geschichte
Vom Kaisergarten zum Tonbildtheater (1896–1945)
Das Kino befindet sich in einem 1896/97 errichteten Wohn- und Geschäftshaus. Zuvor stand auf dem Grundstück die Gastwirtschaft Zum Kaisergarten; deren Singspiel- beziehungsweise Varietétradition wirkte in die erste Nutzung der neuen Räumlichkeiten hinein. Der Münchner Kinopionier Carl Gabriel ließ hier ein Filmtheater einbauen und eröffnete es am 24. November 1910 unter dem Namen Gabriels Tonbildtheater. Der damalige Eingang lag an der Zeppelinstraße 85. Seit 1918 heißt das Haus Museum-Lichtspiele, nach dem nahe gelegenen Deutschen Museum.[1][4]
Bis 1945 war es ein typisches Vorstadtkino mit wechselnden Betreibern und etwa 220 bis 280 Plätzen. Im April 1945 wurde der Spielbetrieb eingestellt.[1]
Nachkriegskino und Krise (1946–1975)
Am 12. Juli 1946 nahm das Kino seinen Betrieb wieder auf. In der ersten Zeitungsanzeige wurde Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels angekündigt. Das Haus blieb lange ein Nachspielkino. Die Krise vieler kleiner Filmtheater führte 1975 zur Schließung des bisherigen „Revolverkinos“, dessen Programm unter anderem von Italowestern geprägt war.[1]
Musicalfilme, Beate Uhse und die Rocky Horror Picture Show (1975–1988)
Der Schauspieler Hartmut Hinrichs übernahm das Haus, ließ es durch Architekt Frank Ziegler umbauen und eröffnete es am 19. Dezember 1975 mit einem Schwerpunkt auf Musik- und Tanzfilmen neu. Das Konzept fand zunächst nur wenig Publikum. 1976 wurde der bisherige Vorführraum zum zweiten Kinosaal umgebaut. Der neue Saal 2 eröffnete am 3. September 1976 zunächst mit Filmen aus dem Beate-Uhse-Verleih; ab April 1977 lief dort wieder reguläres Kinoprogramm.[1]
Am 24. Juni 1977 begann die Geschichte der Rocky Horror Picture Show in den Museum Lichtspielen. Das Publikum entwickelte mit Kostümen, Zurufen und Requisiten eine eigene Mitmachtradition. Seit 1980 ist Saal 2 eigens im Stil des Films dekoriert. Die außergewöhnlich lange Vorführtradition wurde im Guinness-Buch der Rekorde gewürdigt. Da einzelne Ankündigungen die Spieltage unterschiedlich angeben, sind für konkrete Termine die aktuellen Spielpläne maßgeblich.[1][3]
Vier Säle und weitere Entwicklung (seit 1980)
Am 18./19. September 1980 eröffnete der dritte Saal in einem ehemaligen Lagerraum. Nach dem Tod von Hartmut Hinrichs übernahm Ferdinand Hlebayna 1988 den Betrieb. Der vierte Saal wurde am 24. April 1995 mit Robert Altmans Prêt-à-porter eröffnet. So entstanden vier sehr unterschiedlich gestaltete Säle, während das Kino zugleich einen Schwerpunkt auf Filme in Originalsprache entwickelte.[1][2]
Im Sommer 2013 wurde das Haus renoviert, darunter Foyer, Theke, Boden und Teile der Elektrik. Die Wiedereröffnung erfolgte am 10. Oktober 2013 mit Der Butler. Seit April 2019, als das ältere Gabriel Filmtheater schloss, gelten die Museum Lichtspiele als ältestes noch bestehendes Münchner Kino.[4][1]
Die vier Säle
Die folgenden Zahlen und Beschreibungen stammen aus der offiziellen Saalübersicht. Ältere Publikationen nennen teilweise andere Platzkapazitäten, weil die Bestuhlung und Raumaufteilung im Laufe der Jahrzehnte verändert wurden.[2]
| Saal | Plätze | Gestaltung / Besonderheit |
|---|---|---|
| Kino 1 | 93 | Größter Saal; klassisches Filmpalast-Ambiente; ansteigende Bestuhlung; Ursprungssaal |
| Kino 2 | 68 | Rocky Horror Picture Show; tiefrote Sessel und thematische Dekoration; seit 1980 speziell gestaltet |
| Kino 3 | 61 | Kupfer-, Orange- und Brauntöne, gemusterte Wandbespannung; ansteigende Bestuhlung |
| Kino 4 | 53 | Star Trek- beziehungsweise Raumschiff-Enterprise-Motive; eröffnet 1995 |
| Gesamt | 275 | Vier individuell gestaltete Säle |
Vorführtechnik und Leinwände
Der Kinobetrieb verwendet digitale Projektoren; Angaben zu Leinwandbreiten, Leinwandflächen, Projektormodellen, Auflösungen und Tonsystemen der einzelnen Säle gibt es keine.[5]
Programm und Eigenheiten
Ein wesentliches Merkmal sind Filme in Originalfassung, vor allem englischsprachige Produktionen, aber auch Vorstellungen in weiteren Sprachen. Daneben laufen aktuelle Kinofilme, Klassiker und Sonderprogramme. Die Rocky Horror Picture Show ist seit Jahrzehnten das bekannteste Aushängeschild des Hauses. Ihre Vorführungen sind eine Publikumsveranstaltung mit eigenen Ritualen und nicht bloß gewöhnliche Filmvorstellungen.[3][5]
Gebäude, Lage und Barrierefreiheit
Das Kino liegt im Erdgeschoss eines denkmalgeschützten Wohnhauses in der Au, nahe dem Deutschen Museum und dem Müller’schen Volksbad. Es entstand nicht als freistehender Kinopalast, sondern durch den Umbau bereits vorhandener Räume. Die Erweiterungen auf vier Säle erfolgten über Jahrzehnte hinweg innerhalb dieses Bestandsgebäudes. Angaben zu stufenlosen Wegen und Rollstuhlplätzen je Saal gibt es keine.[4]
Persönliches
Dem Vernehmen nach ein gut besuchtes Kino. Ich persönlich mag es nicht.
"Die Projektionsqualität könnte besser sein", schreibt artechock undatiert. Ich persönlich habe 2011 und 2012 im jeweils gleichen Saal zwei Filmbrände erlebt, also das Wegschnelzen des Bildes, als der 35-mm-Film im Bildfenster des Projektors stehen blieb, während die starke Projektionslampe weiter darauf strahlte. Die Vorstellungen von "Nacktschnecken" (12.10.2011, Notiz damals: "Gibt freundlicheres Personal. Und: der obligatorische Filmriss am Anfang der Vorführung.") und "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" (13.01.2012) und musste dann jeweils etwas länger unterbrochen werden.
Bei einer Vorstellung im rechten größeren Saal nach der Digitalisierung fand ich einen Schmutzfleck auf der Leinwand sehr störend.
Quellen und weiterführende Links
- Museum Lichtspiele: Unsere Geschichte – ausführliche Chronik mit Daten und historischer Platzentwicklung; nach Monika Lerch-Stumpf (Hg.), Neue Paradiese für Kinosüchtige.
- Museum Lichtspiele: Unsere Säle – aktuelle Sitzplätze und Saalgestaltung.
- München Tourismus: Museum Lichtspiele – Geschichte, Programm und Rocky-Horror-Tradition.
- München Wiki: Museum Lichtspiele – Baugeschichte und historische Anschrift.
- Museum Lichtspiele: Stellenbeschreibung – Hinweise auf digitale Vorführung und Originalfassungsprogramm.
- Museum Lichtspiele: Unser Kino – Selbstdarstellung und Saalthemen.
- Offizielle Website mit aktuellem Spielplan.
Recherche- und Bearbeitungsstand: Oktober 2026.