Autokino Dachauer Straße (Ludwigsfeld)

Von 1968 bis 1986 existierte im Münchner Norden ein heute weitgehend vergessenes Autokino an der damaligen Dachauer Straße 420. Es lag bei Ludwigsfeld auf ehemaligen Koppeln des dortigen Pferdegestüts. Durch den Bau des Rangierbahnhofs München Nord und die Verlegung der Dachauer Straße ist die historische Adresse heute nicht mehr ohne Weiteres im gegenwärtigen Straßennetz wiederzufinden.[1][2]

Statusgeschlossen; Anlage nicht erhalten
TypAutokino / Freiluftkino für Kraftfahrzeuge
Historische AdresseDachauer Straße 420, München-Ludwigsfeld (historischer Straßenverlauf)
LageNordwestlich der früheren Dachauer Straße bei Ludwigsfeld, auf früheren Pferdekoppeln
Eröffnung1968 (Tag und Monat nicht gesichert)
Schließung1986 (Tag und Monat nicht gesichert)
LeinwändeMindestens eine; genaue Zahl und Maße nicht gesichert
StellplätzeNicht zuverlässig ermittelt
BetreiberNicht zuverlässig ermittelt
Historischer StandortUngefähre Lage auf OpenStreetMap (Koordinaten aus einer Sekundärübersicht; nicht parzellenscharf)

Geschichte

Die Eröffnung des Autokinos 1968 wird nicht nur in späteren Kinoübersichten genannt: Die städtische Statistik für das Jahr 1968 führt unter den damals zwei neu eröffneten Münchner Kinos ausdrücklich ein „Auto-Kino“ auf. Während im selben Jahr sechs herkömmliche Kinos schlossen, stellte das Autokino einen neuen Typus von Filmspielstätte dar.[3]

Als Standort dienten frühere Koppeln des Gestüts Ludwigsfeld. Das Münchner KulturGeschichtsPfad-Heft für Feldmoching-Hasenbergl verortet die Gestütsanlagen an der früheren Dachauer Straße 422/424, heute Auf den Schrederwiesen 2/4, und erwähnt ausdrücklich die zeitweilige Nutzung eines Teils der Koppeln als Autokino in den 1970er-Jahren.[1]

Historische Übersichten nennen 1986 als Schließungsjahr. Eine zeitgenössische Quelle zum genauen letzten Spieltag oder zu den wirtschaftlichen Gründen der Aufgabe konnte nicht ermittelt werden. Die spätere Überbauung und Veränderung des Areals stehen im Zusammenhang mit der Erweiterung des Rangierbahnhofs München Nord; eine unmittelbar nachgewiesene Ursache-Wirkungs-Beziehung für die Schließung wäre jedoch ohne weitere Unterlagen nicht belegbar.[4]

Standort und heutige Situation

Besonders wichtig ist die geänderte Straßenführung: Bis etwa 1991 verlief die Dachauer Straße in diesem Abschnitt geradlinig über das damalige Gleisfeld nach Ludwigsfeld. Im Zuge des Baus des Rangierbahnhofs Nord und der neuen Straßenverbindung wurde dieser Verlauf aufgegeben. Der frühere Abschnitt durch Ludwigsfeld heißt heute Auf den Schrederwiesen; andere Teilstücke erhielten ebenfalls neue Namen. Die heutige Dachauer Straße 420 ist deshalb nicht einfach mit der historischen Kinolage gleichzusetzen.[2]

Eine Übersicht ehemaliger deutscher Autokinos verzeichnet als ungefähre Koordinaten 48,197602° N / 11,499971° E. Diese Lageangabe dient der Orientierung, nicht als Vermessungsnachweis für die einstige Leinwand oder Einfahrt.[4]

Leinwand und Technik

Für die Bildwandabmessungen, die Projektoren, das Tonsystem, die Zahl der Pkw-Stellplätze und die konkrete Zufahrtsorganisation liegen keine hinreichend gesicherten Angaben vor. Die bei anderen deutschen Autokinos verbreiteten Leinwandmaße dürfen nicht ungeprüft auf diesen Standort übertragen werden.

Als Autokino war die Anlage grundsätzlich für die Filmvorführung an Zuschauer in geparkten Autos konzipiert. Wie der Filmton in Ludwigsfeld übertragen wurde, ist bislang nicht belegt.

Besonderheiten

Das Autokino lag in einer heute kaum noch erkennbaren Übergangslandschaft aus Pferdekoppeln, älterer Dachauer Straße und späterem Rangierbahnhof. Diese städtebauliche Veränderung erklärt, weshalb sich die frühere Anschrift in heutigen Karten schwer nachvollziehen lässt.

Eine weitere, bislang nicht verifizierte Spur findet sich in einer Diskussion zur Fernsehserie Krempoli – Ein Platz für wilde Kinder: Ein Zuschauer vermutet einen Drehort auf einem Schrottplatz an der Dachauer Straße 420 neben dem Autokino und berichtet, die Bildwand sei in einzelnen Szenen zu sehen. Das ist eine Erinnerung aus einem Internetforum und kein unabhängiger Drehortnachweis.[5]

Abgrenzung zum Autokino Aschheim

Das Autokino an der Dachauer Straße war eine eigenständige Anlage und darf nicht mit dem weiterhin bekannten Autokino in Aschheim verwechselt werden. Das Aschheimer Kino eröffnete am 22. Mai 1969 und liegt östlich von München; das Autokino Ludwigsfeld eröffnete nach den verfügbaren Angaben bereits 1968 im Münchner Nordwesten.[6]


Quellen

  1. Landeshauptstadt München: KulturGeschichtsPfad Feldmoching-Hasenbergl, S. 68–69 (Gestüt und Nutzung der Koppeln als Autokino).
  2. München Wiki: Dachauer Straße (alter Verlauf, Autokino und Straßenumbenennungen).
  3. Münchener Statistik, Jahrgang 1969 (Rückblick auf die Kinolandschaft 1968).
  4. Liste ehemaliger Autokinos in Deutschland (1968–1986, ungefähre Koordinaten, spätere Überbauung; Sekundärquelle).
  5. TV Wunschliste: Forum zur Serie Krempoli (unbestätigte Drehort-Erinnerung).
  6. Süddeutsche Zeitung: Filme unterm Sternenhimmel (Geschichte des anderen Autokinos in Aschheim).

Zuletzt bearbeitet: Oktober 2026